Das japanische Gedächtnis - 日本の想い、ドイツの想い

Blumio (Kuniyoshi Fumio 国吉史生) geb. 1985, Rapper & Musiker ラップミュージシャン

"Japaner sind nützlich, alles paletti"

Die Eltern des im kleinstädtischen Hilden bei Düsseldorf geborenen deutschen Rappers " Blumio" (Familiename:  Fumio Kuniyoshi 国吉史生 ), dessen best' verkaufter Song ' Mr.Nazi' ist, kommen aus Japan.

Während sein aus der Nähe von Leipzig stammender Musiker-Kollege  Bill Kaulitz-Trümper mit seiner Band 'Tokio Hotel ' mit Japan ausser dem Image 'Cool Japan' herzlich wenig zu tun hat - wenn auch dort neuerdings nicht mehr unbekannt ist - , ist der junge deutsche Japaner Blumio über seine japanischen Wurzeln hinaus immerhin in Düsseldorf zeitweise in die Japanische Schule gegangen. Im Gegensatz zum japanisierten Kunstprodukt 'Tokio Hotel' hat Blumio als asiatisch aussehender junger Mann auch einschlägig negative Erfahrungen in seiner deutschen Heimat gemacht. Der deutsche Rapper wurde schon mal - tituliert als 'Schlitzauge' - ermuntert dahin zurückzugehen, wo er herkomme:

Hey, also von Düsseldorf nach Hilden oder wie?

Die asiatisch-japanische Herkunft von Blumio finden wir in manchen Songtiteln und visuellen Szenerien seiner Videoclips wieder: " Yellow Girl", " Ich mag Dich irgendwie Yellow"," Tokio Bordell", " Der letzte Samurai". Aber das bedeutet nicht, Blumio sei ein japanischer Rap-Musiker; eher ist er ein deutscher Hiphopper , eigentlich aber ein internationaler Künstler: deutschsprachig, mit japanischen Facetten, geprägt von der internationalen Hiphop-Szene.

Wie schön, dass sein erster Release "I love Deutschrap" wenig Erfolg hatte. Ebenso wenig gibt Blumio Japanisch-Volkstümelndes her. Das ist schön und authentisch!

Seine Musik, produziert zunächst von dem Düsseldorfer  Don Tone, heute von seinem eigenen Label  Japsensoul, und seine Videos sind meist höchst unterhaltsam. Nicht an Wörtern darin stören! Auffassen wie Blumio dem Magazin 'chrismon' sagt: Wenn eine Kunstgalerie blutende Penisse zeige, sei das Kunst. Wenn Hiphopper Schimpfworte benutzten, sei das vulgär und billig. Das sei nur, um etwas zu übertreiben und zu provozieren, um eine Sache klarzumachen.

Zu dem hohen Unterhaltenswert kann der junge Rapper aus Hilden trotz seiner offensichtlich nicht grandiosen Schulausbildung sich intellektuell beachtlich in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen wie in dem obigen Magazin " chrismon" (06.2012, S.28ff) belegt ist. Zusammen mit  Wilhelm Heitmeyer diskutiert er dort über das im Untertitel wunderbar formulierte Thema: "Der Hipphopper und der Jugendforscher über rassistische Normalos und nützliche Japaner":

Hat Blumio der aufreizende Songitel "Hallo Mr.Nazi!" Zulauf aus der rechtsradikalen Szene gebracht? Keineswegs, eher hätten ihn Holocaust-Leugner aus der bürgerlichen Ecke kontaktiert.

Zu den Morden der Zwickauer Terrorzelle konstatiert er, die entsprechende Berichterstattung habe sich schwerpunktmässig auf die Mörder, nicht aber auf die Opfer konzentriert. Einem neudeutschen Nazis gehe von hier vielleicht durch Kopf: 'Ich bring jetzt auch einen um, dann bin ich überall.' Geärgert hat Blumio auch, dass es in Zwickau zuerst eine egomane Demo nach dem Motto "Zwickau ist doch gar nicht rechts" gegeben habe. Gehe es bei den Morden in erster Linie darum, dass diese Stadt ein sauberes Image habe?

Bei der Feststellung, dass es dort, wo die wenigsten Ausländer lebten, nämlich in Ostdeutschland, die "härtesten Nazis" gebe, fällt dem japanischen Deutschen seine deutsche Tante Ilse ein, eine "ältere, superliebe Dame". Mit Blumios japanischer Familie sei sie bekannt gewesen, sonst habe sie nur Deutsche getroffen. Aber 'die Türken' und 'die Ausländer', mit denen sie gar keine persönliche Verbindung gehabt habe, habe sie nicht gemocht. Natürlich habe sie auch 'den Griechen' für faul gehalten. Blumio ärgerte das: Was kenne denn Tante Ilse für Griechen?

Und zu dem 'Ausländer Japaner' fällt dem japanischen, deutschen Rapper ein, kein Düsseldorfer komme angsichts der großen japanischen Subkultur seiner Stadt auf die Idee die Japaner, die häufig kein Deutsch könnten und dieses wegen der japanischen Schule und sonstiger japanischer Infrastruktur auch nicht unbedingt benötigten, aufzufordern,  Deutsch zu lernen: "Hat der Professor (Einschub: das ist obiger Wilhelm Heitmeyer) doch gesagt: Japaner sind nützlich, alles paletti."

Aber, ist Deutschland wirklich so fremdenfeindlich?

Nein. Blumio weiss auch: Gerade im direkten Vergleich mit Japan, in dem Kriegsschuld unter den Teppich gekehrt werde, treffe man in Deutschland überall Mahnmale zur Bewältigung vergangener Schuld. "Da ist jemand umgekehrt." Da sei Deutschland vorbildlich! Vermutlich weiss Blumio gar nicht, dass er sich da sogar mit einem mutigen  Statement des früheren japanischen Botschafter Shinyô in Einklang befindet!

Was ist zu tun, Blumio?

Die Fremden reinholen in die Gesellschaft. Jeder müsse sich selbst zuerst fragen, ob seine Gefühle gegenüber dem Anderen o.k. seien: Kölner und Düsseldorfer könnten sich nicht gut leiden - obwohl doch Kölsch und Alt aus demselben Rheinwasser gebraut seien, sagt der japanische Deutsche, der Rapper ist.

".Mal sehen, wie es mit Blumio weitergehen wird," steht auf Blumios Webseite. Alles Gute, Fumio Kuniuyoshi, und klar: Du schaffst das


「頑張って下さい」