Das japanische Gedächtnis - 日本の想い、ドイツの想い

Fanck, Dr. Arnold, Filmdirektor, ファンク・アーノルド 映画監督(1889-1974)

Deutschland unter dem Hakenkreuz und Japan

 Arnold Fanck  ( Video) hat Ski- und Bergfilme geschaffen, die er als erster Regisseur aus dem künstlichen Umfeld des Studios in die freie Natur hinein holte. Vor der naturhaften Kulisse gewaltiger Felsmassen, Gletscher und Schneetürme konnte er seine Erzählungen in eine dramatisch ausdrucksvolle filmische Form bringen, die bis heute nur selten erreicht wurde. Durch Positionierung kleiner Menschen, die das Hauptgeschehen trugen, vor einen gigantischen Berghintergrund erreichte er eine realistische Visualisierung der Spannung des Verhältnisses von Mensch und Natur, die hohe Meisterschaft belegt.

Dieses künstlerische Lebenswerk Fancks ist unbestritten und wird durch die Hervorhebung der nachstehenden japanischen Episode in Fancks Leben nicht geschmälert. Diese Zeit ist jedoch ein exemplarischer Baustein des Verständnisses des zeitgeschichtlichen Geschichtsprozess Deutschland-Japan. Wie so viele andere Deutsche erlag der Regisseur seinem professionellen Ehrgeiz angesichts der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten und stellte sich in deren Dienste. Doch mag über ihn nur richten, wer zweifelsfrei sicher von sich selbst behaupten kann, wie er unter dem Druck eines verbrecherischen politischen Systems in seinem persönlichen Bereich agieren würde.

Schon nach Beendigung der Mittelschule hatte sich der junge Arnold Fanck zwei Gebieten zu zuwenden begonnen, die für sein kommendes Erwachsenenleben richtungsweisend sein sollten: Er lernte Skilaufen, unternahm Klettertouren im Schwarzwald und den Alpen. Dazu fing er an zu fotografieren. Der Weg zum berühmten Filmemacher von Berg-, Sport-, Ski- und Naturfilmen war bereitet. Mit Aufnahme des Studiums der Chemie und Geologie 1910 in Zürich, das 1918 zur Promotion führte,  konnte er alpine Ski-Hochtouren durchführen. Schon zwei Jahre später beteiligte er sich an Filmaufnahmen bei einer Ersteigung des Monte Rosa.

Arnold Fanck stammte aus einer gut bürgerlichen und wohl auch weltoffenen Familie. Der Vater war Fabrikant, die Mutter kam aus einer französischen Hugenottenfamilie. Vielleicht hatte dieser Familienhintergrund die anfängliche Zurückhaltung des Filmemachers zu den Nationalsozialisten nach deren Machtergreifung in Deutschland bedingt. Aber er war ehrgeizig und konnte ohne die nationalsozialistische Herrschaft wirtschaftlich in Deutschland nicht überleben. Die heroischen Themen seiner Filme dürften andererseits für die nationalsozialistische Propaganda reizvoll gewesen sein.

1940 trat er in die NSDAP ein. Trotzdem blieb man in der Partei ihm gegenüber misstrauisch. Einen Film zu dem Bildhauer  Arno Brecker (‚Arno Breker – Harte Zeit, starke Kunst‘ 1944) musste er unter seiner ehemaligen Schülerin Leni Riefenstahl anfertigen.

In dieser ambivalenten persönlichen Situation ist ihm vermutlich eine 1936 erfolgte Einladung des japanischen Kultusministeriums für einen längeren Arbeitsaufenthalt gelegen gekommen. Er nahm diese an. Vielleicht war ihm Japan ein willkommener Fluchtpunkt. Doch gab er zum gleichen Zeitpunkt seine Distanz zum nationalsozialistischen Deutschland auf und passte sein Schaffen den politischen Verhältnissen und herrschenden Erwartungen der Machtträger an.

Begleitet wurde er von den beiden Kameramännern Angst und Riml. Nachdem sich die von Fanck in Japan in Angriff genommenen Projekte jedoch hinzogen, musste er seine deutsche Film Crew nach Hause schicken. Zu dieser Zeit stellte er die nach Japan ausgewanderte  Dichterin Rose Lesser als Sekretärin ein. Sie widmete Arnold Fanck bei seiner Rückkehr nach Deutschland ein Gedicht.

Fanck erstellte in Japan verschiedene Dokumentar- und einen Spielfilm, letzterer ein  NS- Propagandafilm.

Dokumentarfilme:

Wintereise durch Südmandschurien. Aufnahmen der japanischen Fanck-Expedition (1936/38)

Reis und Holz im Land des Mikado (1936/1940)

Japans heiliger Vulkan  (1936/1940)

Frühling in Japan (1936/1940)

Bilder von Japans Küsten (1936/1944)

Die Wildnis stirbt! (1936/1940)


Kaiserbauten in Fernost. Aufnahmen der japanischen Fanck-Expedition (1938)


Unter den Spielfilmen wurde der als ‚Kultur-Spielfilm‘ konzipierte deutsch-japanische Spielfilm ‚ Die Tochter des Samurai‘   新しき土(1936) der bekannteste ( Video in You Tube). Co-Direktor war  Mansaku Itami   伊丹 万作.

Die Filmmusik hierzu wurde von  Kosaku Yamada komponiert.

Nachdem Fancks Verhandlungen mit der japanischen Filmschauspielerin  Tanaka Kinuko  田中  絹代, die Hauptrolle zu spielen, gescheitert waren, übernahm die in Japan zu dieser Zeit noch nahezu unbekannte, in der Folgezeit aber hoch berühmt gewordene Schauspielerin  Setsuko Hara   原節子  die Hauptrolle. Sie hatte in diesem Film ihre erste  große Filmrolle erhalten. Im 2. Weltkrieg galt Setsuko Hara dann als japanische Modellfrau  Yamato nadeshiko 大和撫子. Im Anschluß an den Erfolg des Films in Deutschland besuchte Hara Deutschland und wurde mit Göring fotografiert. Sie soll sich sogar zu antisemitischen Äusserungen hingerissen haben.

Die männliche Hautprolle des Films wurde von Fanck mit dem einzigen japanischen internationalen Star  Sessue Hayakawa besetzt. Im 2.Weltkrieg blieb Hayakawa aus Furcht vor den japanischen Behörden in Paris und wurde dort von den deutschen Besatzern geduldet. Das hinderte ihn aber nicht an kritischen Äusserungen zum damaligen Deutschland, für die er wiederrum nach dem Krieg Gunstbeweisungen der Amerikaner erhielt.

Der Film ‚Die Tochter des Samurai‘ versuchte in Abstimmung mit dem deutschen Reichspropagandaministerium vor dem Hintergrund der Einrichtung einer deutsch-japanischen politischen Allianz die Japaner aus der Rassenpolitik der Nationalsozialisten herauszunehmen und in positiven Licht erscheinen zu lassen. Goebbels soll bei Hitler direkt dessen Einverständnis hierzu eingeholt haben, äusserte sich über den Film später aber in seinern Aufzeichnungen negativ.

In jedem Fall zeigen die Schilderungen von Rose Lesser zu den Filmarbeiten, dass der Japan-Aufenthalt vor allem  während der Arbeiten an diesem Film für Fanck wohl auch frustierend war. Ähnlich klingt auch das Gedicht, dass sie Fanck bei seiner Rückkehr schrieb.

Das spätere Vorhaben Fancks im von den Japanern okkupierten Staat Mandschuko einen Film zum Leben Dschingis Khans zu drehen, musste aufgegeben werden.

In Deutschland war der durch Arnold Fanck auf die Leinwand gebrachte und grandios inszenierte alpine Skisport sowie das Bergsteigen eine junge Sportart. In Japan kam der Skisport Anfang des 20.Jahrhunderts in Mode, wohin er von Japanern mitgebracht worden war, die in Deutschland studiert oder gewirkt hatten: Einer von ihnen war  Prof. Kazunobu Kanokogi.

In jedem Fall war die alpine Thematik ebenso wie ihre dramatische Heroik im damaligen faschistischen Japan ebenso attraktiv wie in Fancks Heimatland.

Auf Grund seiner belasteten politischen Vergangenheit im Dritte Reich wurde es um Arnold Fanck nach Kriegsende 1945 einsam. Zwei seiner Filme, darunter  ‚Die Tochter des Samurai‘, wurden sogar in der Besatzungszeit der Alliierten in Deutschland verboten. Wie vielen anderen Deutschen in herausragender gesellschaftlicher Position im nationalsozialistischen Dritten Reich konnte er sich nach einigen Jahren jedoch wieder, wenn auch begrenzt, in das  Filmschaffen der Bundesrepublik einschalten und wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt:

Preis der Biennale Cortina für 'Der weiße Rausch‘ (1954)

Große Goldmedaille beim Bergfilmfestival Trient (1957)

Golddukat für Pionierleistung im deutschen Film beim Filmfestival Mannheim (1963)

Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film (1964)


In Japan blieb Arnold Fanck - wie Leni Riefenstahl, die ihre Filmkarriere 1925/26 mit einer Rolle in Fancks Film ‚Der heilige Berg‘ begonnen hatte, und in Japan bis heute hohen Respekt genießt – bis heute bekannt. Sein Film "Die Tochter des Samurai" isdt auch heute noch einer der wenigen deutschen Filme, die in großen Filmleihgeschäften wie Tsutaya zu finden sind.

Informationen & Quellen 参考文献


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You Tube ビデオ 昭和12年、、ドイツ・日本合作映画
 新しき土」抜粋
監督 アーノルド・ファンク
音楽 山田耕筰
出演 原節子、小杉勇、英百合子、中村吉次



 アーノルド・ファンク



" Ich war immer gut Freund mit dem Eise . Arnold Franck, Extremfilmer, Gipfelstürmer, genialer Autodidakt"
Deutschlandradio Kultur, 23.02.2013 · 18:05 Uhr



"Der Heilige Berg" ( Video)



"Der Berg des Schicksals" ( Video)


"Der weiße Rausch" ( Video)