Das japanische Gedächtnis - 日本の想い、ドイツの想い

Taki Rentarô 瀧 廉太郎 (1879-1903), Komponist 作曲家

"Mondlicht jetzt am Himmel steht. So wie einst zu sehn. Nur der Lauf der Welt erlebt Blühen und Vergehn." (Doi Bansui)

 Rentarô Taki  瀧廉太郎 ( Video) war an der Musikakademie Tôkyô  東京音楽学校 ausgebildet worden. Vor deren heute renovierter Konzerthalle in Ueno ( Sôgakudô 奏学堂)  (2) steht eine  Statue von Rentarô Taki.

Ab 1901 erhielt er an dem  Königlichen Konservatorium der Musik zu Leipzig, der ältesten Musikhochschule Deutschlands, bei  Robert Teichmüller (1863 - 1939) eine Klavierausbildung.


Poster des biografischen japanischen Spielfilms 「 わが愛の譜。滝廉太郎物語」 (Waga Ai no Uta - Taki Rentarô Monogatari. "Die Melodie meiner Liebe. Die Geschichte des Rentarô Taki"). Museum Rentarô Taki in Taketa. ( Englisch)

 

Sein tragisches Schicksals ließ Rentarô Taki in Japan neben der Anerkennung seiner kompositorischen Leistungen nahezu kultische Verehrung zuwachsen, die ihn zum Helden romantischer Filme - wie dem oben abgebildeten Poster zu sehen - machte: Denn wegen einer schweren Erkrankung musste er im Oktober 1902 von Leipzig nach Japan zurückkehren, wo er im folgenden Jahr jung verstarb.

In Leipzig ist Rentarô Taki im Jahr 2003 an der Ecke Mozartstraße/Ferdinand-Rhode Straße 7 im Musikviertel ein  Denkmal gesetzt worden. Dort hatte der japanische Musikstudent in einem Haus zur Untermiete bei einer Frau Essigke gewohnt, das heute nicht mehr existiert.

Mit dieser Erinnerungsstätte ist der in Deutschland wenig bekannte Komponist Japans in eine Reihe mit den Leipziger Gedenkstätten für in dieser Stadt wirkende berühmte deutsche Musiker wie Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Robert Schumann, Richard Wagner u.a. gesetzt.

Möglich gemacht hatte diese schöne Geste deutsch-japanischer Erinnerungskultur in erster Linie der japanische Musikenthusiast Kazoi Watanabe, Vorstand der  Mendelssohn-Gesellschaft Japan und Vorsitzender der Rentarô-Taki Stiftung in Japan. Unterstützt wurde er von Jürgen Ernst, Direktor des Mendelssohn Hauses und Geschäftsführer der  Mendelssohn Stiftung. Vor allem aber sind zu nennen viele japanische MusikliebhaberInnen. So wie diese schon über eine Million Euro zum Aufbau und Erhaltung des Mendelssohn Hauses in Leipzig gespendet hatten (siehe auch  Japanische Stifter), so taten sie dies auch mit eigenen finanziellen Mitteln für den Wettbewerb zur Auslobung des Künstlers, der das Relief von Taki schaffen sollte, den Leipziger  Ulf Puder.

In der romantischen japanischen Stadt  Taketa  竹田市 auf der Insel Kyûshû - berühmt ist hier das ' Bambuslampenfest'  たけた竹灯籠.竹楽 (ちくらく) - hatte Rentarô Taki lange Jahre als Schüler mit seiner Familie verbracht. Entsprechend wurde dort ein Rentarô Taki Museum  大分県竹田市「瀧廉太郎記念館」eingerichtet.

(Beide nachstehende Fotos mit freundlicher Genehmigung von Claudia Kehl, Koordinatorin für Auslandsbeziehungen Stadt Taketa)


In dem Museumsgarten wurde eine Replika der Leipziger Gedenktafel von Rentarô Taki aufgestellt. In dem Museumsgelände wurde auch ein Ableger des Rosenstockes gesetzt, der zu Ehren der Gründung des Felix Mendelssohn-Bartholdy Museums 1997 in Leipzig gepflanzt worden war.

Hat man die kleine Stadt Taketa besucht, wird das Verständnis der berühmten Musikstücke dieses tragisch jung verstorbenen japanischen Komponisten und Musikers Rentarô Taki leichter verständlich. Sie liegt inmitten einer einerseits gigantischen Berglandschaft, weist aber andererseits Charakteristika einer lieblichen Kleinsiedlung auf. Beide Impressionen strahlen eine romantische Grundstimmung aus, die auch heute noch bezaubert.

Die gut erhaltenen prächtigen Häuser der Stadt zeugen von ehemaliger Wohlhabenheit in der Abgeschiedenheit, und die über der Stadt thronende ehemalige Burgruine Oka verströmt durch das Flair ihrer alten Größe auf einem gewaltigen Hochplateau eine beeindruckende Machtfülle menschlichen Daseins auf diesem Fleck Erde. Der Blick heute wie wohl der ehemalig hier residierenden Machthaber streift von dort oben über durch Wasser eingerissene, dramatisch die Felsmassen teilende Flüsse und weit zügige Ebenen bis zu hin den fernen, sich im Dunst majestätisch aufragenden Bergmassiven.  Klein geistiges Denken kann hier nicht geherrscht haben.


Rentarô Takis bis heute berühmtestes Lied ist " Mond über der alten Burg" „ kôjô no tsuki  荒城の月 ( Video), das bis in den  deutsch-japanischen Alltag lebendig ist. Hierzu soll er nur die Melodie beigesteuert haben, während  Kôsaku Yamada dann nach Takis Tod die Klavierbegleitung hinzufügte (Heinz-Dieter Reese).

Inspiriert worden ist der japanische Komponist zu diesem Lied mit hoher Wahrscheinlichkeit durch die einheimische Burg Oka am Rande von Taketa, die noch heute eine eindrucksvolle Ausstrahlung bewahren konnte und unvergessliche Ausblicke auf jene umliegende Berglandschaft bietet.

(Fotos zum Vergrößern anklicken)


Taki gilt als erster Komponist japanischer Kunstlieder (kakyoku  歌曲), so zum Beispiel das obige Lied "Mond über der alten Burg".

Weitere in Japan - heute auch international - bekannte Lieder und Musikstücke von Rentarô Taki sind u.a.:

"Die Blume" ( hana) ( Video)

"Bedauern" ( urami) ( Video)

"Neujahr" (お正月 oshôgatsu) ( Video)

"Taube" (鳩ぽっぽ hatopoppo) ( Video)

Empfehlenswert ist es nach Taketa mit dem  Trans-Kyûshû Express von  Kumamoto durch die geschilderte grandiose Landschaft - unter anderem vorbei am Fuße des  Vulkans Aso - bis  Bungo Taketa zu fahren.

Dort gibt es auch ein sehr hilfreiches internationales 'Desk', das in den letzten Jahren von der deutschen Japanologin Claudia Kehl als Koordinatorin für Auslandsbeziehungen sehr effektiv für die Stadt Taketa und ihre ausländischen Gäste, bzw. für Beziehungen zu ausländischen Partnerstädten wie in Deutschland Bad Krozingen ( 1) ( Video) und Leipzig ( 1) betreut wurde.

Zwar weist Taketa wie die meisten Regionalstädte Japans sichtbar die Probleme der Überalterung der Gesellschaft auf. Aber eine weitsichtige Stadtverwaltung mit dem Bürgermeister an der Spitze gibt sich alle erdenkliche Mühe diese schöne Stadt am Leben zu erhalten und ihr ungewöhnliches historisches Flair zu bewahren. Dazu hat sie die Stadt der globalen Welt geöffnet und hat ihrem kosmopolitischen Bürgersohn Rentarô Taki eine würdige Gedenkstätte geschaffen, auch diese zwar klein aber atmosphärisch vielleicht eine der schönsten Erinnerungsorte in Japan.

Informationen & Quellen 参考文献




(Fotos durch Anklicken vergrößern)

 大分県竹田市「瀧廉太郎記念館」







































(Zum Vergrößern das Foto anklicken)


Mond über der alten Burg


Frühlingsfest zu froher Stund‘
Auf des Schlosses Saal,
Funkelnd glänzt der Becher Rund
Dort im Mondenstrahl.
Mondlicht, das in stiller Wacht
durch der Kiefern Kron‘
Schien in jener Frühlingsnacht.
Bist verschwunden schon?

Kalter Herbstnacht weißer Reif
Deckt der Krieger Zelt.
Und der Wildgans laut Geschrei
Durch die Stille gellt.
Mondlicht, das zu jener Nacht
Schien in fahler Ruh‘
Dort auf blut’ger Waffen Pracht,
Bist verschwunden Du?

Trümmer decken jetzt das Feld
Wenn zu Mitternacht
Hier der Mond wie einstens hält
Seine stille Wacht.
Bäume nur, nicht Ritter stehn
An dem alten Turm.
In den Kiefern, auf den Höh‘n
Heult sein Lied der Sturm.

Mondlicht jetzt am Himmel steht.
So wie einst zu sehn.
Nur der Lauf der Welt erlebt
Blühen und Vergehn.
Willst Du, Mond, auch heute noch
Uns erzählen sacht
Was Du auf den Trümmern dort
Schaust zu Mitternacht?


Die deutsche Übersetzung stammt von Pater  Hubert Cieslik SJ, Sophia Universität H.チースリク神父上智大学教授.
Siehe zu diesem außergewöhnlichen Mann, der die brilliante Übersetzung aus dem Japanischen fertigte:  Lebensbild von Klaus Luhmer: "Von Köln nach Tokyo", S.110f).
Quelle:
木村清士 「廉太郎瀧を偲ぶ」平成二十一年八月、廉太郎瀧生誕百三十年記念、竹田市
Das Gedicht von  Doi Bansui  土井晩翠
(1871 -1952) bezieht sich auf die tragische Geschichte der "Truppe der Weissen Tiger" (byakkotai), die unter unserem  Lebensbild Richard Heise behandelt ist.

 

 (Aus einer Querrolle, Stadt Taketa. Zum Vergrössern die Bilder anklicken)