Das japanische Gedächtnis - 日本の想い、ドイツの想い

Tikotin, Felix チコチン,フェリックス (1893 - 1996), Kunsthändler, Kunstsammler, Kunstmäzen 美術商, コレクタ, メセナ

"In diesem allem sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes wider Gott."

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Erfährt man von den tragischen persönlichen Ereignissen im Leben von Felix Tikotin und vergegenwärtigt sich das historische Umwelt des Grauens, in das er und seine Familie allein auf Grund ihrer jüdischen Wurzeln geworfen waren, kommt einem unverzüglich die Gestalt des Alten Testamentes,  Hiob, in den Sinn.

In unserer Zeit kann man ihn als Persönlichkeit beschreiben, die niemals vor dem ‚Anderen‘, dem, was außerhalb menschlicher Macht liegt, kapitulierte. Dieser Mann war jemand, auf den Schicksalsschläge ungeheurer Gewalten niedergingen, der sich aber immer wieder aufraffte, sich nie selbst aufgab und unverzagt die Helle des Lebens in sich selbst und in seiner Umgebung suchte und auch auffinden konnte.

Dieser Lebensmut trotz Erfahrungen von alle dem, was aus eigener menschlicher Kraft nicht beeinflussbar ist, hat ihn vielleicht den Japanern, die seit Jahrtausenden den großen Naturkatastrophen aller Art in ihrem Land getrotzt haben, und die doch immer wieder aufgestanden sind, nahe gebracht. Auch umgekehrt wird von hier Felix Tikotins Sympathie für die japanische Kultur, insbesondere die Kunst und das Kunstgewerbe, unterlegt gewesen sein. Japan wurde Zentrum seines Berufslebens.

Allerdings hatte sich ihm das japanische Inselreich nicht auf Grund akademischer Studien oder durch persönliches Erleben erschlossen. Sondern seine Aufmerksamkeit hatte sich diesem fernöstlichen Land in kühler Berechnung zugewand: Auf der Suche nach einer guten Geschäftsidee war er auf die japanische Kunst, insbesondere den  Farbholzschnitt ( 浮世  ukiyoe) gestoßen.

Utagawa Kuniyoshi (1797 - 1861): "Ausblick auf Enoshima in der Sagami Bucht", Farbholzschnitt, ca. 1855, Privatsammlung

Zwar war die Begeisterung der Europäer für die japanische Kunst Mitte des 19. Jahrhunderts nach der gewaltsamen Öffnung des Jahrhundert lang von der Außenwelt  abgeschlossenen Landes durch die westlichen Großmächte groß gewesen, war aber im 20. Jahrhundert verebbt.

In Japan selbst hatte das Interesse an der eigenen Kunst nachgelassen, da man Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst von der westlichen Kultur und Kunst überwältigt und geblendet war. Gerade die Farbholzschnitte, die in Japan keinen hohen künstlerischen Wert hatten, waren in das Ausland zu Schleuderpreisen veräußert worden. Erst Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts setzte in Japan eine Rückbesinnung ein. Die eigenen Kulturgüter mussten nun aus dem Westen teuer zurückgekauft werden.

Felix Tikotin hatte während dieser kunsthistorischen Entwicklungen geschickt seine bemerkenswerte Sammlung japanischer Farbholzschnitte und anderer Kunstwerke aufgebaut und dann in Japan wieder mit Gewinn vermarkten können.

Die Eingangs beschriebene unverwüstliche Lebensfreude Tikotins, sein professionelles Geschick und Gespür für erfolgreiche Geschäfte brachten Tikotin international in den Ruf eines „großen Kunsthändlers“. Dabei wird berichtet, dass er beim ersten Zusammentreffen mit potentiellen Kunden und Menschen, die ihn noch nie persönlich begegnet waren, aber von seinem Ruf ausgingen, Enttäuschung hervorrief. Denn er war ein kleiner und korpulenter Mann, was ihren Vorstellung eines ‚Großen Kunsthändlers‘ nicht entsprach.

Freilich schlug dieser erste negative Eindruck schnell in das Gegenteil um. Denn was ihm seine natürliche Physis versagt haben mochte, machte er durch seinen unwiderstehlichen Scharm, sein einnehmendes Wesen und die von ihm ausgehende Lebenskraft sofort wett.

In seiner eigenen Familie und unter vielen seiner Bekannten erweckte sein unbesiegbarer Lebenswille selbst noch unter den schrecklichsten historischen Gegebenheiten gelegentlich Unwillen, vermutlich auch gepaart mit Eifersucht der Schwächeren. Seine geschäftlichen Erfolge wurden zuweilen von Geschäftspartnern als Ergebnisse unlauterer Geschäftspraktiken interpretiert. Er selbst und sein Leben wurde als schillernd empfunden.

Es mag sein, dass Felix Tikotin eine schwer fassbare Persönlichkeit war. Vieles in seinem Lebenslauf bleibt unklar.

Dass trotz solch negativer Zweifel und Fragen Felix Tikotin aber eine große Persönlichkeit war, zeigt der liebevoll und mit hinreißender Anteilnahme gedrehte Dokumentarfilm „ Felix Tikotin – A Life Devoted to Japanese Art“  ( Video) von Santje Kramer unter Mithilfe von Marga Bosch und  Jaron Borensztajn, dem Enkel von Felix Tikotin. Darin wird deutlich: Die finanzielle Basis, die Tikotin durch seine  geschäftlichen Einsatz aufbauen konnte und seine unermüdliche Ausdauer beim Überleben in finstersten geschichtlichen Zeitabläufen erlaubte es seiner Familie, die fast perfekte Mordmaschinerie der Nationalsozialisten zu überleben und sich später nach dem Zusammenbruch des Schreckens in eine friedliche Gesellschaft wieder einzugliedern - wenn auch mit schweren seelischen Blessuren.

Mit Spannung kann man auf die von der Regisseurin obigen Films zu Felix Tikotin in Angriff genommene Biografie zu diesem außergewöhnlichen Mann warten.

 

Kunstzeitschrift "Le Japon Artistique" des deutsch-französischen Kunsthändlers Siegfried (Samuel) Bing

Festhalten kann man:

Kunsthistorisch hat Felix Tikotin großen Anteil und Verdienst an der Verbreitung japanischer Kunst in und außerhalb Japans: Nachdem  Alexander von Siebold   アレクサンダー・ゲオルク・グスタフ・フォン・シーボル  (1846 - 1911) als einer ersten in größerem Umfang japanische Holzschnitte nach Europa mitgebracht hatte, waren es vor allem der Hamburger Kunsthändler  Siegfried (Samuel) Bing  サミュエル・ビング (1838 -1905) und eben Tikotin, denen die Verbreitung dieses Kunstmediums aus Japan im Westen zu danken ist.

Aber auch umgekehrt in Japan wurden  Felix Tiktonis Verdienste hoch eingeschätzt - über seinen Tod hinaus: Seine gesammelten Kunstwerke wurden 1997 anlässlich des Gründungstages des  Yamaguchi Hagi Museums  山口県立萩美術館・浦上記念館  in einer Ausstellung den Japanern zur Erinnerung präsentiert:  〔萩〕:山口県立萩美術館・浦上記念館「チコチン ウキヨエ シン シュウゾウヒンテン・チコチンの浮絵-新収蔵品展・開館一周年記念」、1997年09

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 Felix Tikotin wurde in  Glogau/ Schlesien an der Oder  グウォグフ  als eines von acht Kinder geboren. In dem Elternhaus wurde er von dem patriotischen Vater streng preußisch erzogen.

Die Familie stammte aus jüdischer Tradition, hatte sich aber assimiliert. Der ursprüngliche Familienname lautete Levinsohn, wurde dann aber in Tikotin geändert. Dieser neue Name nahm Bezug auf die Stadt  Tykocin an der polnisch-russischen Grenze - seit dem 16. Jahrhundert einer der bedeutenden Orte jüdischer Ansiedlung in Polen. Dorthin waren die Vorfahren im Gefolge von Napoleon gelangt, hatten sich angesiedelt und waren von hier Anfang des 19. Jahrhunderts nach Schlesien umgezogen. Unter den Nationalsozialisten wurde die  jüdische Bevölkerung nahezu vollständig ermordet.

 

                                                                                                                    Quelle Foto

Im Alter von 8 Jahren war der junge Felix mit seinen Eltern nach Dresden gekommen. Dort soll er schon als Gymnasiast Kunstwerke gesammelt haben. Er wollte selbst Maler werden, was aber am Widerstand der Eltern scheiterte. So ist es nicht erstaunlich, dass Tikotin nach seinem von den Eltern toleriertem Architektur-Studium in München - hier lernte er auch  Erich Mendelssohn (1887 - 1953) kennen - schließlich Kunsthändler wurde.

In Dresden in der  Internationalen Hygiene-Ausstellung im Jahr 1911 hatte er auch nach eigenen Worten die erste Begegnung mit seinem späteren professionellen Mittelpunkt,  Japan, gehabt: “The Japanese pavilion was a model of a Japanese field hospital used in the Russian-Japanese War. Because of its architectural style, it was, of course, very interesting to me. Inside the pavilion were Japanese woodcuts depicting scenes from the war by artists such as Gekko. At the end of the exhibition these prints, mostly triptychs, were sold for about 0.10 Marks a piece, and I bought as many as I could afford."  (Haifa-Museum)

Pavillion "Formosa" der Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911, Foto Hartung & Rütinger

Japan stand nun im Mittelpunkt seines Interesses. Und was dorthin gelangte, verfolgte er mit Ausdauer und Leidenschaft: Selbst als er in dem 1. Weltkrieg als deutscher Offizier in der Kavallerie zunächst an der hart umkämpften Westfront stationiert war, unterbrach er die Fahrt während seiner Verlegung an die Ostfront in Krakau, um dort die japanische Sammlung von  Feliks Jasieński im National Museum (heute  Manggha Center of Japanese Art and Technology) in Augenschein zu nehmen - alles Belege des Einsatzes von Felix Tikotin für 'seine Sache' und seinen unverwüstlichen Lebenswillen schon in früher Jugendzeit.

Seine erste Reise nach Japan unternahm er mit der Transsibirischen Eisenbahn nach dem 1. Weltkrieg zusammen mit seinem Freund und geistigem Mentor,  Fritz Rumpf (1888 - 1949). Es sollten viele weitere Besuche in Japan folgen, von denen er stets beladen mit japanischen Kunstwerken und Kunstgewerbe nach Deutschland zurückkehrte.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges war Tikotin nach Dresden zurückgekehrt und hatte eine Stelle als Architekt in der Stadtverwaltung angenommen.

Der Kunst jedoch gehörte seine ganzes Interesse, und schon bald begann er eine Sammlung als Basis für einen Berufsweg als Kunsthändler aufzubauen. So kam er auch in Kontakt zur Dresdner Künstlergruppe " Brücke". Aber vor allem konzentrierte er sich auf An- und Verkauf von japanischen Kunstwerken und Kunstbüchern.

Beratend stand ihm als Mentor der für sein Wissen um japanische Kunst bekannte Kunsthistoriker  Woldemar von Seidlitz (1850 - 1922) zur Seite, seinerzeit
der höchste sächsische Museumsbeamte. Seidlitz hatte mit der 1888 publizierten Schrift  " Geschichte des japanischen Farbholzschnittes" eine der ersten wissenschaftlichen Untersuchungen zur japanischen Kunst im Westen verfaßt. Von ihm soll Tikotin seinen ersten Farbholzschnitt ( Utamaro  喜多川歌 麿, 1753 - 1806) erhalten haben.

1927 verlegte Felix Tikotin seine Galerie nach Berlin. Die Eröffnungsausstellung erfolgte unter dem Thema „Japanische Gespenster“. Das Vorwort in dem Katalog hatte sein oben erwähnter Freund Fritz Rumpf geschrieben.

In ganz Europa erweiterte er durch Reisen seine Japan-Sammlung und Kundenbasis. Auf seinen Fahrten nach Japan wurde in erster Linie  Shôzaburô Watanabe  渡辺  (1885 - 1962) sein Geschäftspartner. Dessen  Unternehmen gibt es bis heute. Beratend stand ihm dabei neben Fritz Rumpf auch  Johannes Barth ( 2) (1891 - 1981) bei, der in Japan seine Vertretung übernahm. Barth war Kaufmann und gebildeter Schöngeist, der für die  OAG zahlreiche Schriften zu Japan verfasst hat.

Unter seinen Geschäftsfreunden war auch  Wilhelm Solf (1862 - 1936) ( Video), von 1920 bis 1928 deutscher Botschafter in Japan, der Farbholzschnitte sammelte und diese über Tikotin in Berlin ausgestellt hatte. Als Solf in Berlin eine eigene Galerie eröffnete, richtete Felix Tikotin daneben ein Fachgeschäft für japanisches Kunsthandwerk und Haushaltsartikel ein, das durch einen Freund geführt wurde.

Das Interesse an dem Händler in japanischer Kunst, Felix Tikotin, breitete sich auf diesem Wege weit über Berlin hinaus international aus. Bezeichnend für diese herausgehobene Position war, dass er, der aus jüdischer Familie stammte, dann 1933 sogar auf Betreiben des Kunsthistorikers und Direktors der Staatlichen Museen Berlin,  Otto Kümmel (1874 - 1952), der Nationalsozialist war, ermuntert wurde eine Ausstellung japanischer Kunst im Königlichen Schloß in Kopenhagen als Repräsentant der Stadt Berlin mit seinen Kunstwerken aus Japan zu bestücken.

Nach Ende dieser Ausstellung brachte Tikotin dann seine Kunstwerke auf Anraten eines jüdischen Freundes nach der  Brandstiftung im Berliner Reichstag 1933 nicht nach Deutschland zurück, sondern leitete den Rücktransport nach Holland um. Es gelang ihm anschließend aus Deutschland auch die anderen Stücke seiner japanischen Kunstsammlung hierhin zu bringen.

Seit 1934 unterhielt Felix Tikotin in Amsterdam eine Galerie.

Verheiratet war er mit  Eva Licht (1912 - 1977), die 1935 ebenfalls aus Deutschland nach Holland vor den Nationalsozialisten geflohen war und bei ihm arbeitete. Sie begleitete ihn 1936 auf einer Geschäftsreise nach Japan, während der Felix Eva heiratete. Auf der Rückreise über die USA plante das Paar ursprünglich sich in Seattle niederzulassen, kehrte jedoch nach Holland zurück, nachdem sie erfahren hatten, dass die Mutter von Felix Tikotin ebenfalls nach Holland hatte fliehen können.

In der Folge verlegte Felix Tikotin seine Galerie von Amsterdam nach Den Haag. Sein Haus mit Galerie und großzügiger Wohnung entwickelte sich zu einem Zentrum japanischer Kunst in Holland und Anlaufstelle für Flüchtlinge aus Nazi-Deutschland, die versuchten über Holland nach England oder in die USA zu entkommen.

Mit der Besetzung Hollands durch die Truppen des Dritten Reiches wurde die Familie 1940 gezwungen nach  Alphen an den Rijn umzuziehen, wo sie zwei Jahre wohnte. Die in Amsterdam zurückgelassene Kunstsammlung Tikotin wurde in der Zwischenzeit von holländischen Freunden betreut, während Felix Tikotin ein Ladengeschäft in Alphen eröffnete.

Als die Nationalsozialisten im Juli 1942 die Deportation der Juden auch aus Holland in Konzentrationslager einleiteten und der Familie Tikotin zu einem Sammlungsort zu kommen befahlen, brachte Felix Tikotin die bereits geborenen beiden Töchter  Leentje Tikotin (heute Ilana Drukker: geb.5.3.1938 in Den Haag) und Johanna (geb.1939 in Den Haag) auf einem holländischen Bauernhof unter. Mit Hilfe einer holländischen christlichen Hilfsorganisation zur Rettung von Juden vor den Nationalsozialisten wurden die beiden Kinder in wechselnde Verstecke gebracht. Sie mussten holländisch lernen, wurden als Holländer ausgegeben und waren bis zur Kriegsniederlage Deutschlands und damit Befreiung Hollands von ihren Eltern getrennt.

Die von jener Hilfsorganisation beauftragten holländischen Brüder, Wouter van Wijngaarden und Dirk Van der Vaart, die sie vor den Nazis retteten, wurden 1983 durch Israel unter die „ Gerechten unter den Völkern  諸国民の中の正義の  aufgenommen.

Die Eltern Fritz und Eva Tikotin tauchten dann in ständig wechselnden Plätzen in Holland unter. Genaueres ist unbekannt. So überlebte die Familie das nationalsozialistische Terrorregime als eine der wenigen jüdischen Familien in Holland.

Nach Kriegsende 1945 führte Felix Tikotin aus Holland heraus seinen Kunsthandel fort.

Teile seiner - wie oben geschrieben - bei der Besetzung Hollands durch deutsche Truppen Freunden in Amsterdam anvertraute Kunstsammlung soll in Holland in den Kriegswirren gestohlen worden sein. Auf recht mysteriöse Weise tauchten diese jedoch Ende der 1940er Jahre wieder auf und die Kunstwerke gelangten vollständig wieder in seinen Besitz. Es bleibt aber nicht überzeugend geklärt, wie der Kunsthändler seine Kunstwerke, die er zunächst nach dem Reichstagsbrand nach Holland hatte retten können, im von den Deutschen besetzten und terrorisierten Holland nach dem Untergang des nationalsozialistischen Herrschaft hatte unversehrt wieder erlangen können.

Selbst seine Berliner Galerie konnte Tikotin nach dem Ende des 2. Weltkrieges wieder beziehen. Man hört als Erklärung, dass die Nationalsozialisten als Besitzer seiner Galerie nicht ihn wähnten, sondern Japaner vermutet hatten, und diese daher unbehelligt liessen. Aber sind trotz der allumfassenden Diktatur eines gnadenlosen Terrorregimes, das mit industrieller Präzision das jüdische Volk ausrotten wollte, ausgerechnet der international bekannte jüdische Galeriebesitzer Tikotin und seine Berliner Räume tatsächlich unentdeckt geblieben?

Entging Tikotin, der international bekannte Kunsthändler den totalitären deutschen Machthabern auch in Japan, dem Verbündeten der Nationalsozialisten, obwohl er dort öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zog? Sollte er dem  Schlächter von Warschau“ Meisinger, der in der Deutschen Botschaft Tôkyô als GESTAPO Chef residierte und Schrecken verbreitete, nicht aufgefallen sein?

Sicher kann man konstatieren, dass Felix Tikotin unverzagt und zielstrebig neben seinen kaufmännischen Aktivitäten, bzw. als diese begleitenden Part zahlreiche Ausstellungen japanischer Kunstwerk von Farbholzschnitten, Netsuke, Keramiken bis hin zu Kunsthandwerk in Holland (Amsterdam), Belgien Brüssel), Schweiz (Bern), Frankreich (Paris) und den Vereinigten Staaten (New York) organisierte.


Das Geschick und die Überzeugungskraft von Felix Tikotin zeigte sich beispielhaft in der von ihm mit japanischen Kunstwerken bestückten Ausstellung „ Rembrandt, Hokusai, van Gogh“ 1951 in Amsterdam, die später über Basel nach Tôkyô weiter wanderte. Durch diese vermochte er der japanischen Kunst in einem von den Japanern in Südostasien schwer verwundeten Land wie Holland Aufmerksamkeit unter schwierigen politischen Bedingungen zu verschaffen.

Tikotins Aktivitäten waren breit gestreut und umfassten - wie oben schon erwähnt - auch japanisches Kunstgewerbes. So organisierte er 1955 die erste Origami-Ausstellung von  Akira Yoshizawa  吉澤  (1911 - 2005) in Holland im  Stedelijk-Museum sowie Ikebana Ausstellungen.

1956 reiste Felix Tikotin erstmals nach Israel.

Ende der 1950er Jahre vermachte er seine  Kunst-Sammlung mit ca. 7.000 Objekten der Stadt Haifa in Israel.  Diese wurde in das im Mai 1960 eröffnete, neue  Tikotin-Museum of Japanese Arts   ティコティン日本美術館 gebracht. Erster Direktor des Museums wurde Chisaburô Yamada  山田智三郎 (1908 -1984), hervorragender Japonismus-Experte und Direktor des  National Museums of Western Arts  国立西洋美術 in Tôkyô.

Der später hinzugefügte  Anbau (Westflügel) wurde durch den japanischen Architekten  Junzo Yoshimura  吉村順三 (1908 - 1977) entworfen und wird durch die nach Felix Tikotins Ehefrau benannte Eva Tikotin-Licht Foundation finanziert.

Da sich der großzügige Stifter selbst jedoch später mit dem von ihm beschenkten Museum in Haifa überwarf - er soll sogar Hausverbot zu seiner eigenen Sammlung in dem Museum erhalten haben - , verließ er Israel ohne seine Familie und lebte bis zu seinem Tod allein in Vevey in der Schweiz. Dort verstarb er 1986.

Schon 1956 war die erwähnte älteste Tochter Tikotins, Leentje, nach Israel verzogen. Ihre jüngste Schwester Cäcilia (geb. 1946) folgte ihr. Letztere kehrte aber nach Europa zurück, wo sie sich 1971 das Leben nahm.

Die Mutter der drei Kinder und Ehefrau von Fritz Tikotin, Eva,  litt nach der Geburt der dritten Tochter 1946 bis zu ihrem Freitod unter schweren psychischen Erkrankungen. Sie folgte ihrer Tochter Cäcilia in den Freitod 1977.

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