Das japanische Gedächtnis - 日本の想い、ドイツの想い

Marathon - Deutschland und Japan

Das Berliner Marathon wurde in den Jahren 2000 bis 2005 von japanischen Läuferinnen beherrscht, die  sechsmal hintereinander das Rennen der Frauen gewinnen  konnten.

2000     Kazumi Matsuo  松尾和美 (*1974) Zeit: 2:26:15

2001     Naoko Takahashi  高橋 尚子  ビデオ (*1972) Zeit: 2:19:46 
                                            Weltrekord

           
2002    Naoko Takahashi   高橋 尚子 (*1972) Zeit: 2:21:49

2003     Yasuko Hashimoto   橋本康子 (*1975) Zeit: 2:26:32 

2004     Yôko Shibui  渋井 陽子 (*1979) Zeit: 2:19:41 Japanischer Rekord

2005     Mizuki Noguchi  野口みずき (*1978) Zeit: 2:19:12                                                                                                              Strecken-, Asien-, Japan-Rekord

Besonders ragte dabei heraus die Olympiasiegerin in Sydney 2000, Naoko Takahashi. Sie war nicht nur im Berliner Maraton 2001 die erste Frau der Welt mit einer Zeit unter 2:20:00. Sondern sie verkürzte auch als erste Athletin mit ihrem Weltrekordlauf in Berlin den zeitlichen Abstand zwischen weiblichen und männlichen Siegern dieses Rennens auf eine bis dahin unbekannte Spanne: eine Leistung dieser Japanerin im Vergleich zu ihren männlichen internationalen Mitbewerbern, die einige Jahre später in Deutschland 2011 durch die japanischen Fussballerinnen wie zu Beispiel  Yûki Nagasato (Ôgimi) durch Erringung des  Weltmeistertitels im Frauenfussball getopt wurde.

Die  Fernsehrechte für die Berliner Marathonläufe der in Japan sehr populären ( „Q-chan“) Naoko Takahashi waren an den japanischen Sender Fuji TV verkauft worden. Für Fuji TV soll dies eine sehr gute Investition gewesen sein. Schon bei ihrer ersten Marathon Teilnahme soll ihr fast jeder zweite Japaner über diesen Privatsender zugeschaut haben (Einschaltquote 53,5 Prozent). Ähnlich dürfte es auch beim ihrem zweiten Marathon Lauf gewesen sein. Insgesamt sollen über 100 japanische Journalisten aus Berlin berichtet haben, was dem Marathon in Japan eine gewaltige Breitenwirkung verschaffte und ihn popularisierte.

Auch die Olympiasiegerin Athen 2004, Mizuko Noguchi, tat sich in ihrem Siegeslauf im Berliner Marathon 2005 mit einem neuen Streckenrekord, der noch unter der Weltrekordzeit von Naoko Takahashi lag, und gleichzeitig einem Asienrekord hervor.

Umgekehrt hatten auch Marathonläufe deutscher Athleten in Japan für den deutschen Marathon-Sport Bedeutung, wenn in diesem Fall auch im Bereich der Frauen und der Männer gleichermassen:

Im Januar 1984 gewann  Katrin Dörre-Heinig  ドーレ・ハイニッヒ・カットリンdas Osaka-Marathon  in einer Zeit von 2:31:41.

Der zweifache deutsche (DDR) Olympiasieger  Waldemar Cierpinski  チェルピンスキ-・ワルデマ-ル nahm 1984 an dem Marathon Lauf in Tôkyô teil in der vergeblichen Hoffnung, einen dritten Olympiasieg vorzubereiten.

Ebenfalls für die DDR starteten die später sehr erfolgreichen  Michael Heilmann, der auch schon im Fukuoka Marathon gelaufen war, und  Jörg Peter beim diesem Marathon in Tôkyô 1984, wobei Peter mit einer damals beachtlichen Zeit von 2:10:57 zur Spitzengruppe gehörte. Beide erlebten in der Folgezeit Höhepunkte ihre Laufbahn in Japan: Michael Heilmann stellte im Marathon-Weltcup in Hiroshima 1985 einen deutschen Rekord mit 2:09:03 auf, auch heute noch die zweitbeste Zeit eines deutschen Läufers. Im Tôkyô-Marathon 1988 lief Jörg Peter in ebenfalls bis in unserere Tage (Sept. 2012) gültiger deutscher Rekordzeit von 2:08:47.

(Quelle: "Jörg Wenig: "Der Berlin-Marathon 1974-2012. Geschichte und Geschichten", S. 28ff und, Helmut Winter: "Marathon-Rekorde für die Schublade", S. 36ff, in: SCC Events GmbH: "Programmheft. 39. BMW BERLIN MARATHON", 2012 )